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01.03.2010
Mittelstufenschulen begründen Paradigmenwechsel

Die am vergangenen Freitag von der Landesregierung angekündigten Mittelstufenschulen begründen für die berufsbildenden Schulen in Hessen nach Aussage des Landesvorsitzenden des Gesamtverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen, Ullrich Kinz, einen Paradigmenwechsel. Bisher gehörte zum Aufgabenspektrum der allgemein bildenden Schulen die Berufsorientierung junger Menschen. Die berufsbildenden Schulen sind in erster Linie für deren Berufsausbildung zuständig. Dass sich die berufsbildenden Schulen zukünftig in der Berufs-orientierung junger Menschen an Haupt- und Realschulen engagieren sollen ist in dem geplanten Umfang neu und schon von daher fragwürdig. 

 

Dem GLB und seinem Landesvorsitzenden geht es bei der Diskussion und dem nun unterbreiteten Vorschlag zur Weiterentwicklung der Haupt- und Realschulen keineswegs darum, sich vor der Verantwortung bezüglich junger Menschen, die gemeinhin als „schwer beschulbar“ gelten, zu drücken. Hier haben die berufsbildenden Schulen in den letzten Jahren sehr erfolgreich ihre Arbeit, u.a. in den Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung, wahrgenommen und so den an sie durch das Hessische Schulgesetz herangetragenen Anspruch erfüllt. Allerdings stellt der Landesvorsitzende fest, dass mit der Wahrnehmung eben dieser Aufgabe, die berufsbildenden Schulen verstärkt auch als „Reparaturbetrieb“ des allgemein bildenden Schulsystems angesehen werden, was so natürlich nicht stimmt.

 

Ullrich Kinz weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass von den fast 200.000 jungen Menschen, die in Hessen im laufenden Schuljahr insgesamt an berufsbildenden Schulen unterrichtet werden, die Gruppe der Auszubildenden im sogenannten dualen System der Berufsausbildung mit mehr als 110.000 jungen Menschen nach wie vor die weitaus größte Gruppe darstellt. Dies ist eindeutig das „Kerngeschäft“ der berufsbildenden Schulen. Die Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung und deren Schülerinnen und Schüler nehmen, verglichen mit dieser Zahl, nur einen sehr kleinen Raum ein.

 

Der Landesvorsitzende des GLB bringt in diesem Zusammenhang noch einmal deutlich in Erinnerung, dass an anderer Stelle, an denen sich berufsbildende Schulen zu Zentren lebenslangen Lernens auf den Weg begeben wollen, sie also nicht den Bereich der Berufsorientierung sondern den ihnen nahe liegenden Bereich der Weiterbildung bearbeiten wollen, in der Vergangenheit – auch von politischer Seite – sehr deutlich signalisiert wurde, dass sie erst einmal ihr „Kerngeschäft“ auszufüllen hätten, bevor sie Überlegungen in Richtung Weiterbildungsangebote anstellen könnten. Eben dies fordert der GLB nachdrücklich auch bei jenen in Zukunft geplanten Unterrichtsangeboten, die sich mit der Berufsorientierung bzw. der Berufsreife junger Menschen beschäftigen.

 

Deshalb mahnt der Landesvorsitzende des GLB noch einmal dringend eine Verbesserung der realen Unterrichtsabdeckung in der Ausbildung junger Menschen an. Solange in diesem zentralen Bereich der berufsbildenden Schulen die Unterrichtsabdeckung nicht über 90 % hinaus kommt, sieht Ullrich Kinz kein Potenzial, zusätzliche Aufgaben bei Haupt- und Realschülerinnen wahrzunehmen. Dass womöglich gar Unterricht dieser Schülergruppen an den berufsbildenden Schulen stattfinden soll und sei es in den Räumen für Fachpraxis bzw. in den schuleigenen Werkstätten hält der Landesvorsitzende auf dem Hintergrund der derzeitigen räumlichen Auslastung der berufsbildenden Schulen und der außerordentlich hohen Belastungen der dort tätigen Kolleginnen und Kollegen für illusorisch.

 

 

 

Für Rückfragen steht zur Verfügung:

Ullrich Kinz: über GLB-Geschäftsstelle 06181/252278

oder Mobiltelefon 0172/6947873

 
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